Papiermaschinen

Wie viele Dimensionen hat ein Buch? Ästhetische, inhaltliche, materielle, ökonomische… Wir wollen diese Aspekte in ihren vielfältigen Verbindungen erkunden, um der „Sache des Buches” (Hagner) näher zukommen.

Es geht um Schreibszenen im Zeitalter der Manuskripte, der Typoskripte und des Digitalen und ihre je spezifischen Formen von Beobachtung und Schrift, Aufzeichnung und Konzeption, Diagramm und Programm. Schreiben und Lesen, Drucken und Falten, Sammeln, Ordnen und Verteilen erscheinen nicht als getrennte Funktionen sondern werden integrativ behandelt. Damit fragen wir nach dem jeweiligen Verhältnis von Konzept, Medium und Werk sowie der prozessualen Verbundenheit von Hand, Auge, Stift, Papier, Tastatur, Screen und Drucker.

Künstlerbücher und experimentelle Buchprojekte werden diskutiert wie J.J. Abrams/Doug Dorst:  S – Das Schiff des Theseus, Mark Z. Danielewski: House of Leaves, Sibylle Lewitscharoff: Szenische Objekte, Arno Schmidt: Zettels Traum, Marshall McLuhan: The medium is the message und George Maciunas: Lernmaschinen. Ergänzend werden historische und systematische Untersuchungen vorgestellt etwa zum Verhältnis von Text und Kommentar in religiösen Schriften (Pilpul, Talmud, Koran).

Ziel ist es, das eigene Repertoire im Hinblick auf materielle Verfahren zur Stoffentwicklung zu erweitern und eine konkrete Arbeit zu realisieren. Bei ausreichendem Engagement könnte auch ein gemeinsames Projekt entstehen, womöglich gar ein „Apolloprogramm für Lyrik“ (Rühmkorf)?